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Freiwilligendienste

Fachliches Thema 22. April 2016

Freiwilligendienste

Mein Kind leistet ein freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr im Sinne des Jugendfreiwilligendienstegesetzes, einen Freiwilligendienst der EU, einen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst „weltwärts“, einen anderen Dienst im Ausland, einen Freiwilligendienst aller Generationen, einen internationalen Jugendfreiwilligendienst oder einen Bundesfreiwilligendienst.

Ein Kind kann bei Ableistung eines der folgenden Freiwilligendienste nach § 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2d EStG berücksichtigt werden:

  1. Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) oder Freiwilliges ökologisches Jahr (FÖJ)
  2. Freiwilligendienst der EU im Sinne des Programms ‚Erasmus +‘
  3. entwicklungspolitischer Freiwilligendienst „weltwärts“ i. S. d. Richtlinie des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung vom 1.8.2007 (BAnz. 2008)
  4. anderer Dienst im Ausland i.S.v. § 5 Bundesfreiwilligendienstgesetz
  5. Freiwilligendienst aller Generationen i. S. v. § 2 Abs. 1a SGB VII
  6. internationaler Jugendfreiwilligendienst
  7. Bundesfreiwilligendienst

1 Freiwilliges Soziales Jahr bzw. Freiwilliges ökologisches Jahr

Die kindergeldrechtliche Berücksichtigung eines freiwilligen sozialen Jahres (FSJ) oder eines freiwilligen ökologischen Jahres (FÖJ) kann erfolgen, wenn die in §§ 2 bis 8 und 10 des Gesetzes zur Förderung von Jugendfreiwilligendiensten (JFDG) genannten Voraussetzungen erfüllt sind. Ein solches freiwilliges Jahr wird aufgrund einer schriftlichen Vereinbarung des bzw. der Freiwilligen mit einem anerkannten Träger bis zur Dauer von i.d.R. zwölf zusammenhängenden Monaten geleistet. Es besteht die Möglichkeit der Verlängerung auf bis zu 24 Monate. Es kommt auch die Leistung im (nicht notwendig europäischen) Ausland in Betracht; zum Dienst gehört in diesen Fällen auch die Zeit, in welcher der Träger die Freiwilligen auf ihre Tätigkeit vorbereitet (Vorbereitungsdienst). Bis zu einer Höchstdauer von insgesamt 18 Monaten können das FSJ und das FÖJ mit einer Mindestdienstdauer von jeweils 6 Monaten auch nacheinander abgeleistet werden.

Der Nachweis erfolgt

  • durch die vor Beginn des Dienstes geschlossene schriftliche Vereinbarung des Freiwilligen mit dem zugelassenen oder anerkannten Träger, die neben den persönlichen Daten des Freiwilligen und der Bezeichnung des Trägers alle wesentlichen Angaben zum Freiwilligendienst enthalten muss, insbesondere Zeitraum/Dauer des Dienstes, Art und Höhe der gewährten Geld- und Sachleistungen sowie die Angabe des Zulassungsbescheides als Träger bzw. die gesetzliche Zulassung sowie die Erklärung, dass die Bestimmungen des JFDG eingehalten sind
  • durch die nach Ende des Dienstes auszustellende Bescheinigung über die tatsächliche Dauer des geleisteten Dienstes, die nochmals die Angabe des Zulassungsbescheides als Träger bzw. die gesetzliche Zulassung sowie die Erklärung, dass die Bestimmungen des JFDG eingehalten sind, enthalten muss.

2 Freiwilligendienst der EU

Ein Kind kann berücksichtigt werden, wenn es einen Freiwilligendienst im Sinne der Verordnung (EU) Nr. 1288/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 11. Dezember 2013 zur Einrichtung von “Erasmus+”, dem Programm der Union für allgemeine und berufliche Bildung, Jugend und Sport leistet.
Der Europäische Freiwilligendienst wird auf der Grundlage eines privatrechtlichen Fördervertrags abgeleistet, der zwischen dem Freiwilligen, der (meist inländischen) Entsendeorganisation, der (meist im EU- bzw. EWR-Gebiet sitzenden) Aufnahmeorganisation und der die Förderung bewilligenden Stelle geschlossen wird. Der Tätigkeitsort liegt regelmäßig, aber nicht notwendig im EU-/EWR-Gebiet. Die Dauer ist auf maximal zwölf Monate beschränkt; bis zu der Höchstdauer können auch mehrere Dienste bzw. die Arbeit in verschiedenen Projekten berücksichtigt werden.

Der Nachweis des Europäischen Freiwilligendienstes ist zu erbringen

  • durch eine Bescheinigung, die die Nationale Agentur Erasmus+ Jugend in Aktion (Godesberger Allee 142-148, 53175 Bonn) oder die Entsendeorganisation unter Bezugnahme auf das Aktionsprogramm und Angabe der Beteiligten (des Freiwilligen, der Entsendeorganisation und der Aufnahmeorganisation), der Dauer sowie der Projektnummer vor Beginn oder nach Abschluss der Tätigkeit dem Freiwilligen ausstellt.

 

3 Entwicklungspolitischer Freiwilligendienst “weltwärts”

Seit dem 01.01.2008 kann ein Kind berücksichtigt werden, wenn es einen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst „weltwärts” im Sinne der Richtlinie des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung vom 1. August 2007 (BAnz. 2008 S. 1297) ableistet. Die Einsatzdauer kann flexibel von grundsätzlich sechs bis zu 24 zusammenhängenden Monaten gestaltet werden. Die Regeldauer beträgt 12 bis 18 Monate. Dieser Freiwilligendienst wird auf der Grundlage einer Vereinbarung geleistet, die zwischen dem bzw. der Freiwilligen und mindestens der Entsendeorganisation geschlossen wird.
Der Nachweis erfolgt durch

  • die mit dem anerkannten Träger vor Beginn des Freiwilligendienstes geschlossene schriftliche Vereinbarung, die alle für den Dienst wichtigen Aspekte enthalten muss,
  • durch die nach Ende des Dienstes erteilte Bescheinigung des anerkannten Trägers, die insbesondere auch eine Aussage über die tatsächliche Dauer des geleisteten Dienstes enthalten muss.

4 Anderer Dienst im Ausland

Ein Kind kann berücksichtigt werden, wenn es einen anderen Dienst im Ausland nach § 5 Bundesfreiwilligendienstgesetz (bis 2011: § 14b Zivildienstgesetz) ableistet.
Der Dienst wird aufgrund einer schriftlichen Vereinbarung der Freiwilligen mit einem vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend anerkannten Träger geleistet. Die Berücksichtigung kann auch über eine Dauer von 12 Monaten hinaus erfolgen.
Der Nachweis des anderen Dienstes im Ausland erfolgt durch

  • den mit dem anerkannten Träger vor Beginn des Dienstes geschlossenen Vertrag, der auch den Zulassungsbescheid des Trägers enthalten muss,
  • durch die nach Ende des anderen Dienstes erteilte Bescheinigung des Bundesamtes für Zivildienst bzw. des anerkannten Trägers, die insbesondere auch eine Aussage über die tatsächliche Dauer des geleisteten Dienstes enthalten muss.

5 Freiwilligendienst aller Generationen

Voraussetzung für den in § 2 Abs. 1a SGB VII verankerten Freiwilligendienst aller Generationen ist, dass die Freiwilligen auf der Grundlage einer schriftlichen Vereinbarung unentgeltlich bei einem geeigneten Träger Dienst leisten. Als Träger geeignet sind inländische juristische Personen des öffentlichen Rechts oder von der Körperschaftssteuer befreite Einrichtungen zur Förderung gemeinnütziger, mildtätiger oder kirchlicher Zwecke, wie z.B. Caritas, DRK, Diakonie, Arbeiterwohlfahrtsverbände.

Die Vereinbarung muss

  • die Bezeichnung des Trägers und der Einsatzstelle
  • die Aufgaben des Freiwilligen
  • die Angabe des mindestens sechsmonatigen Verpflichtungszeitraums und der wöchentlichen Stundenzahl von mindestens acht Stunden
  • die Verpflichtung des Trägers zur Sicherstellung des Haftpflicht- und Unfallversicherungsschutzes sowie zur Fort- und Weiterbildung des Freiwilligen im Umfang von mind. durchschnittlich 60 Stunden je Jahr

enthalten.

Nachgewiesen wird der Dienst durch die mit dem anerkannten Träger vor Beginn geschlossene schriftliche Vereinbarung oder durch die nach Abschluss des Dienstes ausgestellte Bescheinigung.

6 Internationaler Jugendfreiwilligendienst

Ab 2011 kann ein Kind berücksichtigt werden, wenn es einen Internationalen Jugendfreiwilligendienst im Sinne der Richtlinie des Bundesministeriums für Familien Senioren, Frauen und Jugend vom 20.12.2010 (GMBl. S. 1778) ableistet.
Der Internationale Jugendfreiwilligendienst dauert grundsätzlich mindestens 6 Monate und höchstens 18 Monate, wobei die Regeldauer 12 Monate umfasst.

7 Bundesfreiwilligendienst

Ab 01.07.2011 kann ein Kind berücksichtigt werden, wenn es einen Bundesfreiwilligendienst im Sinne des Gesetzes zur Einführung eines Bundesfreiwilligendienstes vom 28.04.2011 (BGBl. I S. 687) ableistet.
Der Bundesfreiwilligendienst dauert grundsätzlich mindestens 6 Monate und höchstens 18 (in Ausnahmefällen auch 24) Monate, wobei die Regeldauer 12 zusammenhängende Monate umfasst.