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null Krankheit des Kindes
Fachliches Thema 10. Juni 2020

Krankheit des Kindes

Die Erkrankung eines Kindes, egal wie schwerwiegend und langwierig sie ist, wurde vom Gesetzgeber nicht als eigener Kindergeldanspruch auslösender Tatbestand aufgenommen (solange es sich dabei nicht um eine Behinderung handelt).

Ein erkranktes Kind kann nur berücksichtigt werden, wenn es trotz der Erkrankung einen der besonderen Grundtatbestände des § 32 Abs. 4 Satz 1 EStG erfüllt, zum Beispiel:

Um ein längerfristig erkranktes Kind kindergeldrechtlich berücksichtigen zu können, müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein:

  1. Da die Erkrankung selbst kein eigener gesetzlicher Grundtatbestand ist, muss der Bezug des Kindes zu einem Grundtatbestand (s.o.) bestehen. Solange eine rechtliche Bindung zum Ausbildungsbetrieb besteht (z.B. solange das Kind an einer Universität immatrikuliert ist oder an einer Schule nicht ausgeschult war), kann der Bezug zum Grundtatbestand Ausbildung bejaht werden. Nach dem Ende der rechtlichen Bindung an den Ausbildungsbetrieb (z.B. durch Kündigung oder Abbruch) ist eine Berücksichtigung also nicht mehr möglich. Gibt das Kind nach dem Wegfall der rechtlichen Bindung an den Ausbildungsbetrieb eine schriftliche Willenserklärung darüber ab, dass es sich nach der Erkrankung zum nächstmöglichen Beginn um eine Berufsausbildung bemühen oder sich arbeitssuchend melden will, ist ein Bezug zum Grundtatbestand Ausbildungswilligkeit oder arbeitssuchendes Kind vorhanden. Die schriftliche Willenserklärung kann formlos schriftlich oder mittels des Vordrucks KG 9a (Seite 1) abgegeben werden. Dabei ist zu beachten, dass die Willenserklärung nicht rückwirkend abgegeben werden kann, sondern erst ab Eingang bei der Familienkasse Wirkung entfaltet.

 

  1. Zusätzlich zu dem Bezug zum Grundtatbestand muss eine ärztliche Bescheinigung über die Erkrankung vorliegen. Aus dieser muss nicht nur der Beginn der Erkrankung, sondern vor allem das voraussichtliche Ende der Erkrankung hervorgehen oder zumindest ein Zeitpunkt, ab dem das Kind den jeweiligen Grundtatbestand voraussichtlich wieder aktiv erfüllen kann. Diese Bescheinigung muss von einem Mediziner ausgestellt sein (z.B. behandelnder Facharzt oder Hausarzt des Kindes) und ist bei länger andauernder Erkrankung im Abstand von sechs Monaten zu erneuern. Die ärztliche Bescheinigung kann formlos schriftlich oder mittels des Vordrucks KG 9a (Seite 2) erfolgen. Die Vorlage einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ist hierfür nicht ausreichend.

Nur wenn beide Voraussetzungen erfüllt sind, kann das Kind berücksichtigt werden – und auch nur bis zur Altersgrenze des jeweiligen Grundtatbestandes (z.B. 21. Lebensjahr bei Arbeitslosmeldung oder 25. Lebensjahr beim Ausbildungstatbestand bzw. bei Ausbildungswilligkeit).

Fehlt eine der beiden Voraussetzungen, z.B. weil kein voraussichtliches Ende der Erkrankung (bzw. kein voraussichtlicher Zeitpunkt, ab dem das Kind den jeweiligen Grundtatbestand wieder aktiv erfüllen kann) bescheinigt wird, ist für das erkrankte Kind keine Kindergeldzahlung möglich.

Um Ihren Anspruch auf Kindergeld prüfen zu können, benötigen wir den vollständig ausgefüllten Vordruck LBV KG9a.

Kann ein Ende der Erkrankung nicht bescheinigt werden, so kann auf Wunsch geprüft werden, ob eine Berücksichtigung als Kind mit Behinderung  möglich ist. 

Sollten Sie Fragen haben, rufen Sie uns gerne an. Die passende Durchwahl zur Kundenbetreuung der Familienkasse finden Sie auf Ihrer Gehaltsmitteilung.